Ein Päuschen für besseres Klima

Eine Aktion aus dem Kreis Unna motiviert zur E-Bike-Tour und schafft ganz nebenbei das größte E-Bike-Ladenetz in Westfalen: das Ladepäuschen.

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Fahrradfahren liegt voll im Trend. Doch wie kann man noch mehr Menschen dazu bewegen, auch für alltägliche Wege aufs (E-)Bike umzusteigen? Der Kreis Unna hat im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche eine städteübergreifende Aktion ins Leben gerufen, die sich auch langfristig etabliert hat: das Ladepäuschen.

Wer sich auf’s E-Bike schwingt, schaut vor der Abfahrt immer noch schnell auf den Akkustand: Wie weit kann ich fahren? Wann kann ich wieder laden? Und das ist nicht immer einfach zu beantworten, wie Birgit Heinekamp, Radbeauftragte im Kreis Unna, berichtet: „Eine Kollegin, die fast ausschließlich mit dem E-Bike unterwegs ist, erzählte, dass sie während eines Behördentermins ihren E-Bike-Akku laden wollte. Auf ihre Nachfrage, ob sie denn dafür eine Steckdose nutzen dürfe, mussten erst mehrere interne Telefonate geführt werden, bevor sie die Erlaubnis erhielt“ – ein maßgebendes Zeichen, dringend etwas verändern zu müssen.

Unna sorgt für Ladeinfrastruktur

Für die Europäische Mobilitätswoche im September 2023 hat der Kreis Unna das größte E-Bike-Ladenetz in Westfalen aufgebaut – und das soll auch in Zukunft genutzt werden. Über 100 Betriebe und öffentliche Einrichtungen, darunter viele Einzelhändler*innen und Gastronom*innen, haben sich zusammengetan, um E-Biker*innen einzuladen. Die Stationen sind gut sichtbar mit einem Aufkleber im Eingangsbereich markiert.

So funktioniert’s

  • Geschäfte, Läden oder Gastronomiebetriebe zeigen durch den Sticker, dass sie zum Ladenetz gehören.
  • In Empfangs- oder Kassenbereichen bieten sie geeignete Steckdose an.
  • Fahrradfahrende bringen eigene Ladegeräte mit.
  • Während des Ladeprozesses halten sich die Gäste im Betrieb auf und haben die Möglichkeiten, ein Päuschen einzulegen.

Wem also unterwegs die Power ausgeht, kann seinen Akku ganz einfach und kostenlos an einer der Stationen wieder aufladen. Die Aktion Ladepäuschen soll die Bürger*innen motivieren, aufs E-Bike umzusteigen und dieses häufiger im Alltag zu nutzen. Die meisten der täglichen Wege – zur Arbeit oder zur Schule – haben nämlich eine Länge von unter zehn Kilometern.

Das Besondere am Projekt „Ladepäuschen“ ist mit Sicherheit, dass es zeigt, dass mit sehr geringen Sachmitteln eine große Reichweite generiert und ein großer Nutzen gestiftet werden kann.

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Birgit Heinekamp Radverkehrsbeauftragte im Kreis Unna

Ein Projekt mit Wirkung

Die vielen Ladepäuschen zeigen, dass es sich lohnt, gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten. Eine Ladung kostet die teilnehmenden Betriebe nur wenige Cents (etwa 7,2 bis 40 Cent pro Ladung). Dafür steigen aber nicht nur mehr Menschen auf das Rad um und tun etwas für Umwelt und Verkehr, sondern kehren auch bei Dienstleistenden ein und stärken somit lokale Betriebe. 

Ein weiterer Vorteil, ist die öffentliche Aufmerksamkeit für umweltfreundliche Antriebe: „Die leuchtend gelben Aufkleber machen das Thema E-Mobilität im öffentlichen Raum sichtbar und veranlassen mehr Menschen, aufs E-Bike oder Fahrrad umzusteigen. Win-Win-Win also – für die Unternehmen, für Radelnde und fürs Klima“, sagt Birgit Heinekamp.

Erfolg

Übrigens: Mit der innovativen Idee des Ladepäuschens konnte sich der Kreis Unna den 4. Platz beim Mobilitätspreis.NRW 2023 sichern.

Wie geht es weiter?

Wenn es nach Birgit Heinekamp geht, soll das Ladenetz stetig erweitert werden – auch über den Kreis Unna hinaus. Mit der Stadt Hamm beispielsweise wurde mittlerweile ein weiterer Standort erschlossen. Auch in Dortmund haben einige Betriebe Interesse geäußert.

Wir arbeiten auch daran, das Ladepäuschen digital verfügbar zu machen. Derzeit sind sie nur auf der Website des Kreises Unna zu finden. Künftig sollen die Stationen aber auch in diversen Apps, wie mobil.nrw und Komoot verfügbar sein.

Birgit Heinekamp Radverkehrsbeauftragte im Kreis Unna