Ein blau-weißer Zug steht an einem überdachten Bahnhof am Gleis. Im Hintergrund ist ein roter Zug zu sehen.
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Foto: AVV

easyConnect: Der Weg hin zu grenzenloser Mobilität

Das ID-Ticketing-System easyConnect des AVV ermöglicht ab Sommer ÖPNV-Reisen über die Landesgrenze hinaus – unkompliziert mit einheitlichem Tarif.

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Ein Sonntagsausflug in die Niederlande? Gerade für die Menschen in Nordrhein-Westfalen ist das Nachbarland ein beliebtes Freizeitziel zum Spazieren, Einkaufen und Bummeln. Die meisten planen ihre Reise nach wie vor mit dem Pkw – oftmals aus reiner Bequemlichkeit. Die Ticketsysteme im ÖPNV sind in Deutschland und den Niederlanden nämlich grundverschieden, was eine Fahrt über die Grenzen unnötig kompliziert gestaltet. Man braucht zwei Tickets, zahlt zwei Preise und nutzt zwei Systeme. Für den Wochenendausflug, aber vor allem für Berufspendler*innen, die sich regelmäßig zwischen den Ländern hin und her bewegen, kann das sehr umständlich sein. Der Aachener Verkehrsverbund (AVV) hat sich gemeinsam mit vielen internationalen Mobilitätspartner*innen die Aufgabe gestellt, dieses Problem zu lösen. Denn Grenzen, die man auf den Straßen kaum noch sieht, sollten auch auf der Schiene unsichtbar werden.

Zwei Systeme – zwei Preise – zwei Tickets

In Nordrhein-Westfalen ...

... haben sich Abo-Tickets bewährt: „Ungefähr 90 Prozent aller ÖPNV-​Nutzer*innen besitzen ein Abo“, berichtet Dr. Dominik Elsmann. Wer nur gelegentlich mit Bus und Bahn fährt, hat die Wahl zwischen Papierticket, Handyticket oder dem eTarif eezy.nrw.

In den Niederlanden ...

... ist die OV-Chipkaart das beliebteste Ticketsystem: Die Plastikkarte enthält einen aufladbaren Chip, auf den die Fahrgäste Guthaben laden, das beim Ein- und Auschecken in Bus und Bahn gemäß dem Fahrpreis abgebucht wird.

„Mit easyConnect lassen wir Grenzen im ÖPNV verschwinden und machen nahtloses Reisen für die Fahrgäste so einfach wie nie zuvor – auch über die Landesgrenze hinweg.“

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Dr. Dominik Elsmann Leiter der Euregionalen Koordinierungsstelle beim AVV und Projektleiter „easyConnect“

easyConnect ermöglicht grenzenloses Reisen

Das Ziel des Projektteams rund um easyConnect ist also, zwei völlig unterschiedliche Systeme auf einen Nenner zu bringen. Das Projekt easyConnect ist eine Fortführung des European Travellers Club (ETC), der zwischen 2015 und 2018 von 500 Fahrgästen in einer Pilotphase getestet wurde. Dabei wurde die gewohnte Chipkarte des Heimatverbundes mit dem System des fremden Netzes gekoppelt – eine Karte reichte somit zur Fahrt durch zwei Länder aus, die Abrechnung erfolgte im Hintergrund. easyConnect hat dieses System nun auf die elektronische Nutzung erweitert. Um über die Landesgrenze zu fahren, ist keine spezielle Chipkarte mehr erforderlich, sondern lediglich das eigene Smartphone mit einer Mobilitätsapp, in der das ID-Ticketing-System eingebunden ist.

5 Fakten zu easyConnect

Einchecken – losfahren – auschecken. Einfacher geht’s nicht. Mit easyConnect reicht euer Smartphone mit eurer persönlichen ID aus, um über die deutsch-niederländische Grenze zu fahren.

Der zentrale Abschnitt für die erste Pilotphase ist die Strecke des RE 18 zwischen Aachen und Maastricht. Wenn das Projekt hier erfolgreich war, sollen die Fahrten bis nach Köln weitergehen. Eine Erweiterung auf das gesamte Drei-Länder-Eck, also mit Einbezug Belgiens, ist ebenfalls denkbar.

easyConnect ist Teil der Grenzland-Agenda, die 2019 zwischen NRW und den Niederlanden beschlossen wurde. In diesem Rahmen werden Projekte und Konzepte öffentlich gefördert, die das tägliche Zusammenleben erleichtern und Grenzen auflösen sollen.

Alles, was ihr braucht, ist euer personifizierter Barcode. Dieser beinhaltet lediglich eure persönliche ID und keine weiteren personenbezogenen Daten. Das macht easyConnect in Sachen Datenschutz sehr sicher.

easyConnect ist ein einmaliges Projekt in Europa – dementsprechend groß ist die internationale Aufmerksamkeit. Im Idealfall wird durch die Entwicklung eine technische Basis für ID-Ticketing geschaffen, die europaweit genutzt und ausgebaut werden kann.

Info

easyConnect ist eines von 16 regionalen Leuchtturmprojekten von MaaS NRW. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung des länderübergreifenden Ticketsystems mit rund 2,23 Millionen Euro. Der Pilotversuch wird gemeinsam von AVV und Projektpartnern aus Deutschland und den Niederlanden umgesetzt. Auch das niederländische Verkehrsministerium fördert das Projekt.

Die Zukunft ist „easy“

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben den Start der Pilotphase in den letzten Monaten verzögert. Das Projekt wird daher in diesem Sommer in die Testphase starten,die auf der Strecke des RE 18 zwischen Aachen und Maastricht stattfindet und dann ausgeweitet wird. Für die erste Phase werden spezifische Pilottickets freigeschaltet. Interessierte können sich im Vorfeld registrieren und als Testnutzer*innen Tickets mit je 180-minütiger Gültigkeit erwerben. Preislich wird zwischen Abonnent*innen, Studierenden und Ab-und-zu-Fahrer*innen unterschieden:

  • Ticket für Jedermann: 3 Euro (für eine einfache Fahrt)
  • Ticket für Abonnent*innen: 1 Euro (für eine einfache Fahrt)
  • Ticket für Aachener Studierende: 0 Euro

Auch auf niederländischer Seite werden im Rahmen der ersten Testphase solche Tickets ausgegeben. Die anschließende zweite Pilotphase wird die Tarifierung in beiden Ländern vereinheitlichen müssen, denn in den Niederlanden wird der Fahrpreis nach gefahrener Strecke berechnet und nicht – wie im Rahmen des NRW-weiten eTarifs – nach Luftlinie. Zudem wird das Check-in/Check-out-System (CiCo) in der zweiten Pilotphase etabliert und im weiteren Verlauf zu einem Check-in/Be-out-System (CiBo) weiterentwickelt. Das heißt, dass die Fahrgäste sich beim Einstieg in Bus oder Bahn zwar einchecken, das System jedoch nach dem Ausstieg automatisch erkennt, an welcher Haltestelle die Fahrt beendet wurde.