Ein junger Mann und eine junge Frau fahren mit einem Elektroroller. Der junge Mann jubelt und reckt den Arm nach oben.
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Foto: Zoran Zeremski / Shutterstock

So ergänzt flexible Mobilität den ÖPNV

Flexible Mobilität bedeutet mehr, als nur Bus und Bahn zu nutzen. Immer stärker rücken Angebote wie E-Roller-Sharing, Fahrradverleih und Co. in den Fokus.

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Bei öffentlichem Personennahverkehr, kurz ÖPNV, denken viele wahrscheinlich an Busse und Bahnen, die Pendler*innen an ihr Ziel bringen. Doch mit einem Blick in die Innenstädte wird klar: ÖPNV ist mittlerweile viel mehr als das. E-Roller, Leihfahrräder, Carsharing, Park-and-Ride-Plätze und flexible Fahrdienste erweitern in zahlreichen NRW-Städten das Mobilitätsangebot. Während neuere Angebote wie E-Scooter von einigen Bürger*innen kritisch betrachtet werden, bringen sie anderen neue Perspektiven für eine flexiblere, umweltfreundlichere und schnellere Fortbewegung. Angebote etablierter Services, beispielweise der Leihfahrräder, sind dahingegen nicht mehr wegzudenken: Schnell auf den Sattel geschwungen – und ab zum Bahnhof, zu Freund*innen oder nach Hause.

Info

Besonders jüngere Personen zwischen 16 und 19 Jahren sind schon heute multimodal unterwegs. Das bedeutet, sie nutzen für ihre alltäglichen Strecken nicht primär ein einzelnes Verkehrsmittel, sondern variieren in ihrem Mobilitätsmix.

Mit dem individuellen Mobilitätsmix besser ans Ziel kommen

Dass einzelne Angebote den klassischen ÖPNV ersetzen oder von der größten Masse verwendet werden, ist nicht das Ziel. Vielmehr sollen sie den Nutzer*innen eine breite Palette an Optionen bieten, um klassische Verkehrsmittel wie Bus und Bahn zu ergänzen und so den Verzicht auf einen eigenen Pkw zu erleichtern. Dort, wo in NRW heute noch Lücken im ÖPNV-Netz bestehen, können neue Verkehrsformen Abhilfe schaffen – sowohl in Städten als auch in ländlichen Regionen.

Mit dem E-Scooter zur Bahn und dem Rad zum Ziel

Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigen: Auch für kurze Strecken unter einem Kilometer Länge steigen viele Bürger*innen ins Auto. In Städten mit bis zu 20.000 Einwohner*innen werden 56 Prozent der Wege zwischen 800 und 1.000 Meter mit dem Auto zurückgelegt. Und auch in Großstädten steigen 58 Prozent der Menschen für einen Weg von nur ein bis zwei Kilometern in ihren Pkw. Genau hier sollen neue Mobilitätsformen ansetzen: Der morgendliche Weg zum Bahnhof, der kurze Abstecher in die Innenstadt oder die sonntägliche Fahrt zur Bäckerei können dank E-Scooter oder Leihfahrrad komfortabel und ohne motorisierten Fahruntersatz erledigt werden. Das sorgt nicht nur für mehr Platz und weniger Stau auf den Straßen, sondern auch für einen geringen CO2-Austoß. Die Nutzer*innen können sich zudem über mehr Bewegung, frische Luft und weniger Stress freuen.

E-Scooter vs. E-Roller

Obwohl oft als Synonyme verwendet, handelt es sich bei diesen beiden Rollerformen nicht um das gleiche Fortbewegungsmittel.

Unter E-Scooter versteht man die kleinen, elektronisch unterstützen Tretroller, die es von zahlreichen Anbietern in den NRW-Städten gibt. Dieser werden via App freigeschaltet und eignen sich besonders gut für kurze „Zubringerfahrten“ oder spontane Nutzung.

E-Roller sind hingegen elektrische Versionen der klassischen Roller mit Verbrennungsmotor, die im normalen Straßenverkehr unterwegs sind. Ohne Benzin und Auspuff, dafür aber mit leistungsstarkem Elektromotor, sind die Flitzer leise, komfortabel und umweltfreundlich unterwegs – da darf die Strecke auch gerne mal länger werden.

So werden auch längere Fahrten umweltfreundlich und stadtverträglich

Nicht immer ist der Weg nur ein paar Meter kurz: In diesem Fall kann sich die Fahrt auf dem E-Scooter ganz schön in die Länge ziehen. Mit einem E-Roller dagegen lassen sich auch weitere Strecken leise, klimaverträglich und ohne Anstrengungen zurücklegen. Eine weitere komfortable Möglichkeit ist die Nutzung von On-Demand-Diensten: Wenn im Heimatort der Bus nur einmal pro Stunde fährt, da sich eine höhere Taktung nicht rentieren würde, können Anwohner*innen vielerorts auf On-Demand-Angebote zurückgreifen.

On-Demand-Dienste sind im weitgefassten Sinn eine Mischung aus Bus und Taxi. Auf Abruf und ohne festgelegte Linie sammelt ein Shuttle Personen ein und bringt sie ans Ziel. Der Vorteil: Spontane Fahrten, vor allem im ländlichen Raum, sind damit kein Problem mehr. Durch den Sharing-Charakter können ähnliche Routen von mehreren Fahrgästen in einem Fahrzeug zusammengefasst werden. Das bedeutet: Weniger Fahrzeuge – vor allem im Vergleich zum Taxi oder privaten Pkw – sind auf den Straßen unterwegs und die Kosten teilen sich auf alle Passagier*innen auf. Zudem sind die neuen Fahrzeuge oft rein elektrisch betrieben und zukünftig potenziell autonom – also ohne Fahrer*in – unterwegs.

Flexible Angebote in NRW

Von Bikesharing bis hin zu E-Scootern gibt es in NRW zahlreiche Angebote, um die Mobilität vernetzter zu gestalten. In Münster beispielsweise bieten die On-Demand-Shuttle von LOOPmünster Nahverkehr auf Bestellung: Bis zu sechs (aktuell aufgrund der Corona-Beschränkungen vier) Fahrgäste können in dem E-Auto ohne feste Fahrzeiten und Linien, aber mit ihrem ÖPNV-Ticket, unterwegs sein. Wer komfortabel durch Aachen fahren möchte, kann auf die E-Bikes von Velocity Aachen zugreifen – die Stationen sind im gesamten Stadtgebiet verteilt. Und falls Sie einen Leihwagen benötigen, finden Sie bei cambio Carsharing das passende Fahrzeug: Der Anbieter stellt in ganz Nordrhein-Westfalen Autos zur Verfügung, die Sie bequem reservieren können. Welche Angebote für multimodale Mobilität es in Ihrer Stadt gibt, erfahren Sie mit wenigen Klicks in unserer interaktiven Übersicht.

Multimodal in Richtung Mobilität von morgen

56 Prozent der Jugendlichen sind laut einer Untersuchung von Mobilität in Deutschland multimodal unterwegs. Doch nicht nur ohne Führerschein ist diese Art der Fortbewegung interessant: Personen, die vorher für einige Strecken nur das eigene Auto zur Verfügung hatten, können vielerorts auf eine vielseitige Auswahl zugreifen. Durch zahlreiche Anbieter auf dem Markt können sich Nutzer*innen ihr Verkehrsmittel der Wahl aussuchen – und so noch stressfreier, umweltfreundlicher und flexibler ans Ziel kommen. Eine flächendeckende Nutzung neuer Angebote kann so Ballungsräume vor dem Verkehrschaos bewahren, unsere Innenstädte attraktiver für Anwohner*innen und Besucher*innen gestalten sowie ländlichere Regionen besser anbinden.