Eine Collage aus verschiedenen Sehenswürdigkeiten aus NRW und mehreren Wanderleuten.

Auf der Waldroute durch das Hönnetal

Highlight der Tour: Feldhofhöhle und Reckenhöhle. Auf dem Waldpfad im Hönnetal kommt man an einer riesigen Höhle vorbei. Die Feldhofhöhle hat ihren Namen von dem Grundbesitzer Feldhof, ursprünglich hieß die überaus geräumige Höhle Klusensteiner Höhle. Wer sich traut, kann das Innere der Höhle erkunden. Und fühlt sich dann wie ein Neandertaler, denn auch der bewohnte dereinst diese Höhlenimmobilie. Obwohl man korrekter sagen müsste: Dort lebten Hönnetaler, nicht Neandertaler. Die Reckenhöhle gegenüber von Haus Recke in Binolen ist hingegen eine echte Tropfsteinhöhle.

Auf der Waldroute durch das Hönnetal
Foto: Volker Lüttig

Einkehrmöglichkeit

Haus Recke am Ziel in Binolen. Dort können Sie sich zu wanderfreundlichen Öffnungszeiten (Dienstag, Mittwoch, Donnerstag von 16.30bis 22.00 Uhr, Freitag und Samstag von 10.00 bis 22.00 Uhr und Sonntag von 10.00 bis 20.00 Uhr) verwöhnen lassen. Die Spezialität des Hauses ist die Potthucke. Dieses Gericht ist eine Art Kartoffelpizza mit einer Mettwurst, die in der Mitte „huckt“. Leeeecker!

Beschreibung der Wandertour

In Sanssouci verlassen wir die Hönnetalbahn. Alleine der Ortsname ist es wert, auszusteigen! Sanssouci ist selbstredend ein wunderschöner Ortsname. So ohne Sorgen zu sein, ist doch etwas Wunderbares. Ich hatte Sanssouci bisher nach Potsdam verortet, aber wie man sieht, kann man auch in NRW sorgenfrei leben.

Vom Bahnhof Sanssouci geht es Richtung Bundesstraße, die überqueren wir und gehen links unter der Bahnunterführung hindurch. Wir müssen noch 150 Meter an der abknickenden Straße entlang gehen. Achtung, nicht den grünen W-Markierungen der Waldroute folgen. Dann geht es rechts hinauf in die Straße „Im Schnitthölzchen“. Wir folgen durch den Ort Sanssouci der Markierung des X, dabei wandern wir auf dem Plackweg, aber hoffentlich – der Kalauer sei erlaubt – wird diese Wanderung keine Plackerei. Obwohl der Weg für fünf Kilometer nur eine Richtung kennt: hinauf. Auf einer Forststraße, die für Holztransporte ausgebaut ist, gehen wir unseren Weg hinein in den Balver Wald.
 

Eines muss man aber sagen, es ist ruhig auf diesem Weg. Kein Zivilisationslärm, nur vielfältige Vogelstimmen, die eigenen Schritte sowie das Rauschen der Blätter ist zu erlauschen. Beim Weg hinauf kann man die Gedanken schweifen lassen. Warum sind eigentlich flächendeckend alle Hauptwanderwege des Sauerländischen Gebirgsvereins mit einem X markiert? Das sind doch mitnichten X-beliebige Wege! Oder will man uns ein X für ein U vormachen? Oder aber sind die SGV-Wege einfach x-tra stark?
 

Irgendwann haben wir – voll krass Alter, echt x-trem – die Baumgrenze erreicht. Eigentlich ist es die Kyrillgrenze, denn oben auf den zugigen Höhen des Sauerlands hat der Jahrhundertsturm keinen Stamm auf dem anderen gelassen. Wir sind jetzt schon auf 546 Meter gekraxelt, die Luft wird langsam dünn. Knapp fünf Kilometer nach unserem Start in Sanssouci kommen wir an eine Kreuzung und entdecken das weiße W auf grünem Grund. Das ist die Markierung der Sauerland Waldroute. Dieser Weitwanderweg führt 240 Kilometer von Iserlohn nach Marsberg und widmet sich inhaltlich den Highlights der sauerländischen Sagenwelt. Der Waldroute nach links folgend, sehen wir auf einer Tafel an der nächsten Wegkreuzung eine schöne, regionale Sage, die das Schicksal von Bruder Kilian erzählt: Der fromme Mann fastete tagaus tagein und wurde sehr ungehalten als ihn eines Tages ein fröhlicher Mensch zum Zechen animieren will:
 

Verflucht soll sein,
verdammt der Wein.
Ich will ein Abstinenzler sein.

 

Aber was der brave Bruder Kilian nicht bedachte bei seinem Fluch: auch der Wein stammt vom Herrgott und darf daher nicht verflucht werden. Also wurde Kilian zur Strafe zügig dahingerafft und streift seitdem als Geist durch die Balver Wälder. Dabei will er Wander*innen zum übermäßigen Alkoholkonsum nötigen, um erlöst zu werden. Um es kurz zu machen: Ich bin dem Geist Kilians leider nicht begegnet und blieb auf meiner kompletten Waldrouten-Tour durstig.
 

Zunächst geht es nach rechts die Sauerland-Waldroute kurzzeitig verlassend und dem X18 folgend, auf dem Kamm entlang. Nach 900 Metern verlassen wir den X-Weg wieder (scharf rechts abbiegen!) und treffen erneut auf die Sauerland-Waldroute. Dieser folgen wir bergab und nach einer Weile im Wald erreichen wir den kleinen Ort Brockhausen. Die Landschaft öffnet sich und bietet Blicke über Wiesen und Felder – eine Erholung für die Augen nach der langen Waldpassage. Wir wandern an einem Märchenwald vor bei und auf einem Wiesenweg an Einfamilienhäusern entlang. Dann geht es weiter bergab und schon bald haben wir das Hönnetal erreicht. Wir merken das erstens daran, dass plötzlich die Landschaft von spektakulären Felsen und Höhlen dominiert wird und zweitens durch den Lärm der Bundesstraße. Doch die Autos auf der fernen Straße fallen nicht wirklich ins Gewicht, denn das Hönnetal ist wirklich beeindruckend. Auf der gegenüberliegenden Talseite können wir einen Blick auf die „sieben Jungfrauen“ erhaschen, die versteinert ewig auf die Gunst ihres Angebeteten warten. Eventuell könnte Bruder Kilian die Jungfrauen mit einem guten Tropfen erlösen?
 

Der Weg weiter durch das Tal ist wunderschön. Wir wandern auf schmalen Pfaden, sehen die rauschende Hönne, die Hönnetalbahn kreuzt über unseren Köpfen den Weg. Wir können dann linker Hand auch schon durch die Blätter den Bahnhof von Binolen mit seinem imposanten Bahnhofsgebäude sehen, aber es dauert noch ungefähr eine Viertelstunde, bis wir dort sind. Erst geht es noch an der Hönne entlang. An der Brücke über den Fluss verabschieden wir uns von der Waldroute, gehen über die Brücke durch ein Hofgut und erreichen mit dem Zubringerzeichen der Waldroute den Bahnsteig der Hönnetalbahn von Binolen.

Region:
Sauerland
Strecke:
12,8 km (Höhenunterschied: 346 m)
Dauer:
3,5 Stunden
Schwierigkeitsgrad:
mittel
Wegemarkierung:
„Weißes W" auf grünem Grund, „X"
Bahnhof Sanssouci

58802 Balve
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