Panoramabild der Skyline von Essen im Sonnenaufgang
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Mit On-Demand-Ridepooling den ÖPNV im Ruhrgebiet ergänzen

Wie lässt sich der ÖPNV im Ruhrgebiet verbessern? Eine Analyse zeigt: Der Einsatz von On-Demand-Ridepooling birgt viel Potenzial.

Abends, irgendwo in einer Innenstadt im Ruhrgebiet: Beim gemütlichen Restaurantbesuch mit Freunden hat man die Zeit vergessen – jetzt ist es beinahe Mitternacht, und die nächste Straßenbahn kommt erst in 40 Minuten. Szenenwechsel: Man hat Lust auf einen spontanen Kinobesuch, allerdings fährt der Bus hier am Stadtrand nur im Berufsverkehr. Wer regelmäßig mit dem ÖPNV im Ruhrgebiet unterwegs ist, dürfte solche Situationen kennen. Doch wie kann Abhilfe geschaffen werden? Hier kommt On-Demand-Ridepooling ins Spiel: Laut der „Potenzialanalyse Ridepooling Ruhrgebiet“ des Kompetenzcenters Digitalisierung NRW (KCD) stellen diese „Verkehre auf Abruf“ eine sinnvolle Ergänzung zu Bus und Bahn dar – um Lücken zu schließen und die Grundmobilität der Menschen im Ruhrgebiet zu sichern.

Was ist On-Demand-Ridepooling?

Es gibt keine festgelegten Strecken oder Fahrpläne. Stattdessen fahren die Kleinbusse flexibel durch das Bediengebiet.

Fahrgäste rufen den On-Demand-Dienst per App und werden bequem von ihrem Standort zum Ziel gebracht.

Ähnliche Streckenanfragen werden vom Hintergrundsystem zusammengelegt und Fahrten so via „Ridepooling“ gebündelt.

Wo ist ein Einsatz sinnvoll?

Die Analyse des KCD zeigt: Besonders in ländlichen Regionen sowie in den Abend- und Nachtstunden im urbanen Raum können On-Demand-Ridepooling-Verkehre wirkungsvoll zum Einsatz kommen. Denn häufig ist hier die Nachfrage zu gering, als dass sich liniengebundener Nahverkehr lohnen würde. Auch bei kommunenübergreifenden Fahrten schwächelt der ÖPNV in einigen Regionen – On-Demand-Ridepooling kann in solchen Fällen das Angebot ergänzen und attraktivere Verbindungen für die Fahrgäste bieten.

On-Demand-Ridepooling kann nicht losgelöst betrachtet werden – die Dienste sollen punktuell Lücken schließen und den ÖPNV stärken.

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Henry Steinbach Projektleiter KCD (© Foto: VRR)

Gibt es bereits Projekte im Ruhrgebiet?

On-Demand-Ridepooling ist auf dem Vormarsch: Seit 2021 hat sich die Anzahl der Projekte in ganz NRW verdoppelt, momentan gibt es 21 Angebote zwischen Aachen und Münster. Drei der Ridepooling-Projekte liegen im Ruhrgebiet:

myBUS in Duisburg

Gestartet als Pilotprojekt im Jahr 2017, ist myBUS mittlerweile nicht mehr aus dem Duisburger Stadtverkehr wegzudenken. Die Kleinbusse sind jede Nacht unterwegs und ergänzen so flexibel das städtische Mobilitätsangebot.

Revierflitzer® in Oberhausen

Die Revierflitzer® sind als „Chauffeur-Service für ganz Oberhausen“ bekannt – wer abends und nachts von A nach B fahren möchte, ruft eins der kultigen Elektroautos und genießt den Blick durch das Glasdach auf den Sternenhimmel.

Bussi in Essen

Unter dem Motto „Kommt wie bestellt“ fährt der On-Demand-Dienst „Bussi“ seit einem Jahr durch Essen. Donnerstags, freitags und samstags sammeln die Shuttles in den Abend- und Nachtstunden Fahrgäste ein und bringen sie an ihr Ziel.

Info

Die „Potenzialanalyse Ridepooling Ruhrgebiet“ des KCD NRW wurde vollständig vom Landesverkehrsministerium gefördert und von civity Management Consultants erstellt. Die Studie ist Teil der ÖPNV Digitalisierungsoffensive und ein Projekt der Ruhrkonferenz des Landes NRW. Genauere Einblicke in die Studie sowie konkrete Handlungsempfehlungen finden sich im frei zugänglichen Abschlussbericht.