Mobilität in Basel: Autofrei und international

Mitten im Drei-Länder-Eck: Basel hält neben der eigenen Stadt auch Deutschland und Frankreich hoch getaktet in Bewegung – und denkt an die Zukunft.

Teilen
Lesezeit

Nach Zürich und Genf ist Basel die drittgrößte Stadt der Schweiz. Gemessen an der Einwohnerzahl von etwa 174.000 Menschen liegt Basel im Vergleich zu NRW jedoch „nur“ zwischen Hamm und Mülheim an der Ruhr. Dass die Stadt und ihre gesamte Agglomeration (Stadtkern und Umland) für die Schweiz eine entscheidende Bedeutung haben, zeigt ihre Lage: Durch die direkten Verbindungen nach Frankreich und Deutschland sind die ÖPNV-Netze in Basel international bzw. trinational. In Zusammenarbeit mit den Verkehrsministerien des Landes Baden-Württemberg und des Elsass wurde bereits 2014 das Konzept zum Ausbau der „grenzüberschreitenden trinationalen S-Bahn Basel“ ausgearbeitet.

Kantonal – regional – trinational

Das Basler S-Bahn-Netz ist geprägt von unterschiedlichen Streckenästen, auf denen sieben Linien in drei Richtungen führen: Drei Bahnstrecken gehen in das Landesinnere der Schweiz, eine ins französische Elsass und wiederum drei nach Baden-Württemberg. Das stellt die Bahnhöfe in Basel – allen voran die beiden großen Bahnhöfe Basel SBB und Basel Bad Bf – vor größere Herausforderungen, denn die nationalen Bahnsysteme müssen zusammengebracht werden. Dazu gehören unter anderem die Stromversorgung, Zugsicherung und der unterschiedliche Betrieb auf Doppelspurstrecken. Nicht umsonst wird die S-Bahn Basel daher als „Herzstück“ des Verkehrssystems bezeichnet. Wie in vielen hochfrequentierten Innenstädten ist das Ziel, das Straßennetz zu entlasten, indem der ÖPNV attraktiver gestaltet wird. Also wurden Haltepunkte zu Durchgangsbahnhöfen modernisiert, um schnelle Verbindungen ohne viele Umstiege zu ermöglichen. Durch den Ausbau der S-Bahn-Linien sollen zudem die Wohngebiete entzerrt werden und attraktive Pendelstrecken eine Zersiedelung vorantreiben.

Info

Die Liebes- und Leidensgeschichte der SBB

Auch die Schweizer Bundesbahn hat sich beachtlich entwickelt und blickt auf eine Historie voller Höhen und Tiefen. In den 1970er Jahren aufgrund des Auto-Booms tief in den roten Zahlen, ging es erst Mitte der 1980er wieder bergauf: durch moderne Angebote und diverse Abo-Varianten. Durch die Erfolge entspannte sich die finanzielle Situation, sodass die Taktung erhöht und Strecken modernisiert werden konnten – die „Bahn 2000“ war geboren. Das folgende Jahrzehnt der 90er-Jahre war jedoch geprägt von Protesten der Mitarbeitenden – aufgrund von Diskussionen über ungerechte Lohnverteilung – und hohen Schulden. Das Service-Versprechen, für das die verstaatlichte SBB steht, rückte durch diese negativen Erfahrungen in den Hintergrund. Erst mit der Digitalisierung des 21. Jahrhunderts hat die SBB ihre Stärken entdeckt: Eine detailliert entwickelte App sowie digitale Tickets und Serviceleistungen wurden vorangetrieben. Die restlichen kleinen Lücken sollen mit selbstfahrenden Shuttles geschlossen werden – eine beinahe pedantische Vision, denn das Schweizer Verkehrsnetz gilt bereits als eines der dichtesten Systeme in ganz Europa.

Auf dem Vormarsch zur Verkehrswende

So gut getaktet und ausgebaut das Basler S-Bahn-Netz auch ist – das Zentrum der Stadt muss aktuell einen großen Andrang an Pkw stemmen, denn die Einwohnerzahlen boomen und damit auch die Zahl der Verkehrsteilnehmenden. Eine Lösung wurde bereits vor einigen Jahren getestet: Velostraßen. Die Stadt Basel stellte sich – neben Zürich, St. Gallen, Bern und Luzern – als eine von fünf Teststädten zur Verfügung und zog ein positives Fazit. Die Neuerung der reinen Fahrradstraßen liegt auf der Hand: Vorfahrt gegenüber anderen Verkehrsmitteln, angepasste Ampelschaltungen, kürzere Wege in der Stadt und natürlich eine zukunftsfähige Fortbewegungsalternative. Die teilnehmenden Städte zeigten sich begeistert, der Bund hingegen kritisch – obwohl alle Bedenken und Ängste vor mehr Unfällen und sinkender Sicherheit im Straßenverkehr nicht bestätigt wurden.

Autofreie Innenstädte in NRW?

Viele Visionen der Innenstädte in NRW sind geprägt von Zentren ohne Pkw-Verkehr. Ein Beispiel stellt die Altstadt von Münster dar, die unter anderem eine autofreie Innenstadt umsetzen möchte. Nach einem Antrag von SPD, Grünen und Volt soll dies bereits bis Ende dieses Jahres passieren. Dafür werden seit 2021 verschiedene Versuche wie eine Verlängerung der Busspur oder temporäre Geschwindigkeitsbeschränkungen auf 20 km/h durchgeführt. Das Ziel ist klar, die passenden Maßnahmen werden getestet und analysiert. Auch im ostwestfälischen Bielefeld wurde die Innenstadt in einem Pilotprojekt für neun Monate autofrei erklärt. Da der Gegenwind in der Bevölkerung jedoch zu groß war, wurden die Zugänge im Februar 2022 vorerst zurückgebaut. Der Kompromiss: bewegliche Poller, die die Zufahrt zur Innenstadt versperren und nur zu bestimmten Zeiten für den Lieferverkehr versenkt werden können. Der erste Schritt ist jedoch das Sammeln von Verkehrsdaten. Für die Konzepte zu autofreien Innenstädten in NRW sind aktuell viele Kompromisse nötig.