Werden S-Bahnen bald fliegen?

Bahnen auf Magnetschienen, digitale Haltestellen oder ultraschnelle Züge – wir springen in die Zeitmaschine und schauen uns in Nordrhein-Westfalen um.

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Immer mehr Bahnhöfe kommen in den Genuss umfangreicher Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten – ein Muss, um in der sich schnell entwickelnden Mobilitätswelt mit der Zeit gehen zu können. Nicht nur die Deutsche Bahn, als Betreiber der meisten deutschen Bahnhöfe, nimmt viel Geld in die Hand, um das Schienennetz voranzubringen – auch Bund und Land sind engagiert in den Planungen dabei. Dafür werden neue Ideen entwickelt und Innovationen wie Roboter oder Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz gebracht. Bereits im Sommer 2022 rollte der erste Wasserstoff-Zug der Welt zum Beispiel bei unseren Nachbarn durch das niedersächsische Bremervörde.

Der Zug von morgen

Gleichzeitig feilt die Deutsche Bahn an Ideen, um nicht nur eine schönere Atmosphäre im Zug zu schaffen, sondern auch die Kapazitäten der Flotten erhöhen zu können. Dafür wurde der sogenannte IdeenzugCity entwickelt. Der Prototyp soll sich mit seinen zwölf Themenwelten per Knopfdruck je nach Reiseanlass und Tageszeit an die Bedürfnisse der Mitreisenden anpassen – das ist weltweit einzigartig.

Das ist der IdeenzugCity

  • 22,5 Meter lang
  • Veränderbares Raumsystem: In der Hauptverkehrszeit mehr bequeme Stehplätze, sonst mehr Sitzplätze
  • Plätze zum Arbeiten
  • Zugzielanzeige passt sich dem Blickwinkel der Fahrgäste an
  • LED-Leuchtband an der gesamten äußeren Wagenlänge für schnellere Erkennbarkeit
  • Seitenscheibendisplay: Gewährt entweder schönen Ausblick oder zeigt helfende Piktogramme an, z. B. wo der Fahrradbereich ist (Informations- und Unterhaltungsprogramme)
  • Fensterscheiben können verdunkelt werden, sodass u. a. der Energieverbrauch minimiert wird
  • Servicestation und Getränkeautomat
  • CO2-frei produzierte Materialien

Der Ideenzug wurde im Jahr 2021 präsentiert und soll wegweisend für weitere Zukunftsplanungen sein. Ideenzüge gibt es mittlerweile schon für verschiedene Fahrzeuge und mit unterschiedlichen Konzepten. Inwiefern der IdeenzugCity aber bald wirklich über die Gleise rollen wird, ist immer noch unklar. Ein Positivbeispiel ist allerdings der Einsatz eines Ideenzugs auf einem Teilabschnitt in Bayern.

Neue Mobilität in NRW?

Monocab OWL

Mit einer Einschienenbahn soll ein Abschnitt der Extertalbahn in Ostwestfalen-Lippe wiederbelebt werden. Die Kabinen, in denen je sechs Fahrgäste Platz haben, sind selbstfahrend und so schmal, dass sie aneinander vorbeifahren können. Im regelmäßigen Takt sollen sie vor allem ländliche Gebiete erschließen und stillgelegte Strecken reaktivieren.

e.Volution

Die Aachener Firma hat mit ihrem Fahrzeug Meta eine neue Form des Shuttles erfunden. Die Pkw bieten bis zu sieben Personen Platz und können beispielsweise von Arbeitgebenden oder Flottenbetreibenden eingesetzt werden. Der Innenraum kann nach Belieben konfiguriert werden und ist zudem ein idealer mobiler Arbeitsplatz. Gleichzeitig ist Meta barrierefrei für Rollstuhlfahrende zugänglich.

Power Road

Die Bottroper Vinci Construction Shared Services GmbH hat ein in die Fahrbahn integriertes Wärmetauschersystem entwickelt, welches die Energiespeicherung an heißen Tagen ermöglicht. Die Wärmeenergie kann dann für viele verschiedene Zwecke, wie die Kühlung der Straße genutzt werden. Die innovative Power Road ist umweltfreundlich und sorgt für eine längere Haltbarkeit der Oberflächen.

Digitale Haltestellen

Moderne Haltestellen zeichnen sich auch durch digitale Anzeigen aus. Immer mehr Verkehrsunternehmen tauschen die alten Papier-Aushänge aus. Das hat gleich mehrere Vorteile: Die solar- und batteriebetriebenen Panels sind deutlich aktueller, müssen nicht ausgetauscht werden und können mithilfe einer Vorlesefunktion zur Barrierefreiheit beitragen. Übrigens: Auch viele Mobilstationen sind mit digitalen Anzeigen ausgestattet, um dir einen Überblick über deine Abfahrtsmöglichkeiten mit Bus oder Bahn zu geben.

Nicht nur innovative, selbstfahrende Fahrzeuge werden über die Straße rollen. Auch für Radwege werden bessere Lösungen gesucht: Das Schweizer Start-up URB-X hat etwa einen Fahrrad-Highway aus Holzmodulen entwickelt. Das modulare Leichtbausystem führt über den Straßenverkehr hinweg. Dadurch soll das Radfahren sicherer und der Verkehr flüssiger werden.

Auch in einem weiteren deutschen Nachbarland wird getüftelt: in Frankreich. Dort sollen beispielsweise hybride Magnetschwebebahnen in den ÖPNV integriert werden. Für die diesjährigen Olympischen Spiele ist außerdem eine Pilotanwendung von Urbanloop geplant. Das sind kleine Kapseln, die auf neugebauten Gleisen fahren und nur sehr wenig Strom verbrauchen. Die digital gesteuerten Kapseln fahren autonom und individuell ans Ziel.

Neue Technik sorgt für bessere Planbarkeit

In der Zwischenzeit hat die Deutsche Bahn 55 Millionen Euro in den E-Check investiert. Für das Verfahren werden Robotertechnik und Künstliche Intelligenz genutzt, um die wachsende Anzahl an ICEs schneller und effizienter warten zu können. Sie inspizieren die Züge und sorgen dafür, dass sich die Fachleute im Werk in der Zwischenzeit auf andere Tätigkeiten fokussieren können. Die frühzeitige Erkennung von Problemen durch die KI hat gleich mehrere Vorteile: Bahnunternehmen können ihre Ressourcen und Kapazitäten besser planen. Die KI kann aber beispielsweise auch Planabweichungen wie technische Störungen vorhersagen. So können Instandhaltungen auf Grundlage des tatsächlichen Verschleißes zeitnah durchgeführt werden. Bisher wird die Technik nur im ICE-Werk in Köln-Nippes durchgeführt – bis 2025 sollen aber deutschlandweit weitere Werke folgen, zum Beispiel in Dortmund. Wer weiß, was die Zukunft da auch noch für den Nahverkehr bereithält.

Die Zukunft ist digital

Ideen werden stetig weiterentwickelt und zukunftsfähig gemacht. Simulationsanwendungen zeigen beispielsweise, wie der Stadtverkehr der Zukunft aussehen kann, während Mobilitätsplattformen und -apps vernetzen und für bedarfsgerechten Verkehr sorgen. Die Mobilität von morgen ist digital – das haben nicht zuletzt die zahlreichen Einreichungen beim Mobilitätspreis.NRW 2023 gezeigt. Bis S-Bahnen aber wirklich fliegen können, müssen wir vermutlich noch eine ganze Menge Geduld haben.