NRW bringt Farbe in den ÖPNV

Der November ist grau und öde? Nicht, wenn man sich vom ÖPNV und dem ein oder anderen Kunstwerk ein bisschen Farbe in den Alltag bringen lässt.

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Zeitvertreib an tristen farblosen Bahnhöfen? An vielen Stellen in NRW wird etwas dagegen unternommen! Kunstprojekte an Bahnhöfen, U-Bahn-Haltestellen oder auf Fahrzeugen sollen das gewisse Etwas vermitteln und die Wartezeit auf die nächste Verbindung so angenehm und freundlich wie möglich gestalten. Verschiedene Fahrgastumfragen haben ergeben, dass kreative, hell gestaltete Wände – vor allem mit lokalem Bezug – für ein positiveres Bild bei Reisenden sorgen. Aber wie sieht das eigentlich aus und vor allem: Wo gibt es bereits die aufgestylten Stationen?

Eine bunte Auswahl

Bonn – Ippendorf Altenheim

Gleichzeitig im Dschungel und in den Bergen sein – und das sogar mitten im Herbst? Das geht seit dem 26. Oktober an der Bushaltestelle „Ippendorf Altenheim“ in Bonn. Dort hat die Tattoo-Künstlerin Emilie Abdel Wahhab „Das Firmament des Lebens“ geschaffen. Das Kunstwerk verschönert die Haltestelle und entführt in eine andere Welt – ein Dschungel mit einem Wasserfall, eine junge Frau, ein Gebirge und ein Meer verzaubern die Wartenden.

Bergisch Gladbach – Duckterath

Das Rheinland geht voran: So erhielt beispielsweise die Station Duckterath in Bergisch Gladbach einen neuen Anstrich – dies geschah dank einer Kooperation von Auszubildenden der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, Jugendlichen der Katholischen Jugendagentur Rhein-Berg und dem Graffiti-Künstler Mark Roberz. Die Motive spielen dabei auf besondere Gebäude der Umgebung, die Geschichte Duckteraths sowie die umliegende Natur an.

Köln – Nippes und West

Auch die Kölner Stationen Nippes und West sind richtig einladend geworden. Der Künstler Raphael Mohr hat circa 160 Quadratmeter am West-Bahnhof mit Graffiti umgestaltet. Bunte Tiere und große Buchstaben werden dabei von grafischen Elementen eingerahmt. In Nippes wurde es ebenfalls farbenfroher und die Wände strahlen in moderner Streetart.

Köln – Ehrenfeld

Dass eine Unterführung nicht immer gruselig und kalt aussehen muss, beweist eindeutig der Bahnhof Ehrenfeld. Die Decke wurde in einen Himmel verwandelt, der durch einen Reißverschluss geöffnet wird. Drumherum sind bunte Kunstwerke verteilt: teilweise Fantasiewelten sowie Anspielungen auf Ehrenfelds Industriegeschichte und lokale Prominente.

Essen – Bismarckplatz und Viehofer Platz

Die Essener Ruhrbahn setzt auf die Fassadenkünstler*innen von „Farbwandel“. Mit Graffitis wurden bereits die U-Bahnhaltestellen Bismarckplatz sowie Viehofer Platz verschönert.

Aachen – Rothe Erde

Und es gibt noch viel mehr Beispiele für farbenfrohe und einladende Stationen und Bahnhöfe in NRW. In Aachen-Rothe Erde erinnert man mit Streetart an Karl den Großen.

Dortmund – Hörde

Ruhrgebietsfeeling in Dortmund: Am Bahnhof Hörde wird mit einem Graffiti des Hüttenwerks Phoenix-West an die Stahl-Ära erinnert.

Sonderprogramm vom Land NRW

Ein Großteil der Gemälde wurde vom Land NRW mitfinanziert. Dieses will mehr Menschen davon überzeugen, den ÖPNV zu nutzen. Neben Faktoren wie saubere Züge, gute Anbindungen und hohe Taktungen tragen modernisierte und positiv gestaltete Bahnhöfe ergänzend als Wohlfühlfaktor bei. Insgesamt 25 Projekte wurden durch das „Sonderprogramm kommunale Verkehrsinfrastruktur ÖPNV des Landes Nordrhein-Westfalen“ mit rund 1,2 Millionen Euro gefördert. Auch die Eisenbahngesellschaften nehmen Geld in die Hand, um die Bahnhöfe aufzuwerten. Die Deutsche Bahn hat beispielsweise mit Hilfe des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr im Jahr 2022 in etwa 1,9 Millionen Euro in Verbesserungen und Modernisierungen investiert.

Bunte Züge

Doch nicht nur in den Bahnhöfen herrscht buntes Treiben: In Düsseldorf werden auch die Bahnen selbst zu Kunstobjekten und erhalten ein optisches Upgrade. Dafür schickt die Rheinbahn zu besonderen Anlässen seit einigen Jahren immer wieder neue Sonderzüge auf die Schienen. Verziert sind diese mit Motiven des Fußballvereins Fortuna Düsseldorf, des Eishockeyclubs DEG, Amnesty International, des Hofgartens, der Diakonie, der Welthungerhilfe oder des Düsseldorf Festivals. Im Rahmen eines Wettbewerbs konnten bereits aufstrebende nationale Künstler*innen die Bahnen umgestalten.

Stockholm als Kunst-“Pionierin”

Übrigens: Nicht nur in Deutschland ist das Thema Kunst im ÖPNV präsent. In der schwedischen Hauptstadt Stockholm gibt es sogar eine gesetzliche „Einprozentregel“. Das bedeutet, dass seit 1963 ein Prozent des Budgets für jedes Bauprojekt in öffentliche Kunstwerke investiert werden muss. Das sorgt dafür, dass vor allem die U-Bahn-Stationen in der Stadt besonders außergewöhnlich gestaltet und als die „längste Galerie der Welt“ als echte Attraktion für Tourist*innen bekannt sind.